„Vertrauensbildende Maßnahme“ für Simulanten Fokus-Gruppe Simulation, In|Die RegionRuhr 2. Arbeitstreffen Aus der Praxis, für die Praxis

02 Mrz

„Vertrauensbildende Maßnahme“ für Simulanten Fokus-Gruppe Simulation, In|Die RegionRuhr 2. Arbeitstreffen Aus der Praxis, für die Praxis

Bochum, 15.2.2018

Als „Vertrauensbildende Maßnahme“  zur Akzeptanz von „virtuellen Zwillingen“ im harten Industrie Alltag, tauschten sich am 15.2.2018 die regionalen Praktiker der Fokus-Gruppe Digitale Simulation, In|Die RegionRuhr aus.

Trotz der widrigen Wetterverhältnisse, fanden die Teilnehmenden (Unternehmer, Dienstleister, Institute und Forschungseinrichtungen) den Weg zum ICAMS an der Ruhr Uni Bochum.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Teilnehmenden stellte der Gastgeber Prof. Hartmeier vom ICAMS kurz sein Institut vor. Direkt im Anschluss berichteten anwesende Unternehmer „aus dem Nähkästchen“ konkret über ihre individuellen betrieblichen Projekte und Erfahrungen zum Thema „digitale Simulation“ und beantworteten praxisnah folgende 3 Fragen:

„Kann ich durch Digitalisierung, und konkret durch Simulation flexibler werden in meinen Abläufen?“

Markus Rall von der viality veranschaulichte die mittlerweile industriell einsetzbaren Möglichkeiten der Virtual Reality und der Augmented Reality. Diese sind, unter anderem, geeignet beispielhaft sehr große – (Begehen einer Fabrikanlage, bevor diese überhaupt erstellt ist, …), aber auch sehr kleine Prozesse (Verhalten von Nano Teilchen im dreidimensionalen Raum, …) ohne aufwendige Versuchsaufbauten oder Modellherstellung für den Menschen darstellbar und begreifbar zu machen. Dadurch sind auch industrielle Prozesse und Abläufe variabel „erlebbar“ und vereinfachen entsprechende Entscheidungen, Präsentationen, Vorstellungen, Schulungen, …. ganz erheblich.

„Wer unterstützt mich bei der Frage nach der Sinnhaftigkeit von digitaler Simulation und den damit verbundenen Möglichkeiten?“

Marc Bracke von der IANUS Simulation GmbH stellte die erstaunliche Wandlung, hin zur „Liebe auf den zweiten Blick“ der M+S Silicon GmbH & Co. KG dar. So skeptisch das Unternehmen im Vorfeld war, umso größer ist die Begeisterung nach den betrieblichen Einfahr-Prozeduren der ersten Extrudier Werkzeuge, welche im Vorfeld digital simuliert wurden. Die üblichen Einfahrprozesse, bis zum lauffähigen Produkt,  konnten auf Anhieb erheblich reduziert werden. Stillstandzeiten an Maschinen, Nacharbeitszeiten im Werkzeugbau und der Silikonverbrauch bei der Erstbemusterung sanken drastisch.

Karlheinz Thom, Innovationscoach In|Die RegionRuhr bei M+S Silicon

Die Unterstützung des ersten Simulationsprojektes erfolgte durch einen InnoScheck aus dem Projekt In|Die RegionRuhr, und hat den Unternehmer nachhaltig überzeugt. Dementsprechend wird die Werkzeugentwicklung mit Hilfe digitaler Simulation als neuer Standard im Unternehmen integriert.

„Wie berechnet sich der Nutzen durch Simulation für mein Unternehmen?“.

Dr. Frank Brehmer von der ITB mbH und Thorsten Wirtz von J.D. Theile GmbH & Co. KG beschrieben die verdeckten Kosten, welche man dem Aufwand der digitalen Simulation entgegenstellen muss. Schließlich müssen bei der „konventionellen Ermittlung“ der Haltbarkeit, bei Sicherheitsrelevanten (Leicht) Bauteilen,  durch „Try and Error“ im Unternehmen erhebliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Dazu gehört zunächst die klassische Konstruktion, die Programmierung und Bearbeitung auf kostspieligen Bearbeitungsmaschinen, sowie die abschließende zerstörende Prüfung. Und dies in der Regel mehrmals hintereinander, bis ein halbwegs akzeptables Ergebnis erreicht ist. Von der Kostenseite abgesehen, darf man nicht vergessen, dass solche „Experimente“ den kontinuierlichen Produktionsprozess erheblich stören.

Spannungsanalyse eines Schienenfahrzeugbauteils, Verformungsanalyse eines Tanks, dynamische Berechnungen einer Lüfterzarge, Umformungssimulation einer Förderleiste, bereitsgestellt von ITB GmBH

Diese 3 Praxis Beiträge beantworteten lebhaft und anschaulich die Fragen, welche sich zum Ende des 1. Arbeitstreffens herauskristallisiert hatten. Den Unternehmern noch einmal vielen Dank dafür.

Als Resümee aus unserem 2. Arbeitstreffen hat die Fokus-Gruppe folgende 3 neue Herausforderungen/Fragestellungen ermittelt:

  1. Die Stärkung der Akzeptanz für die digitale Simulation im konventionellen Betriebsalltag.
  2. Ehrlichkeit und Offenheit zum Umgang mit den Grenzen der Simulation gegenüber der Belegschaft und den etablierten Mitarbeitern.
  3. Der Faktor Zeit als Treiber zum Einsatz der Simulation.

Zum Abschluss der Veranstaltung nutzten die Anwesenden noch die Gelegenheit zum Netzwerken und zur Besichtigung des ICAMS (The Interdisciplinary Centre for Advanced Materials Simulation), sowie einer interessanten Führung durch das Rechencluster.

Alle interessierten Anwender, Dienstleister und Wissenschaftsvertreter sind weiterhin herzlich eingeladen, an Folgeterminen teilzunehmen und die Arbeit der Fokus-Gruppe aktiv mitzugestalten.

Bei Rückfragen steht Karlheinz Thom, Innovationscoach (thom@regionruhr.de), vom Team In|Die RegionRuhr gerne zur Verfügung.